December 02, 2019

Podcast Interview mit Dagmar Herzog (CUNY) zur 33. Annual Lecture - Zugleich Start der neuen Podcast-Serie des DHI Washington

Blicke auf das Gedenken an die NS-Euthanasie-Morde und Abtreibungsdebatten der 1980er und 1990er Jahre

Es mussten vier Jahrzehnte vergehen, bevor die NS-Euthanasie ernst genommen wurde. Wieso hat diese Aufarbeitung so viel Zeit in Anspruch genommen? Gab es einen (moralischen) Zusammenhang um die Debatte der Abtreibungs- und Behindertenrechte der 1980er und 1990er Jahre? Anlässlich ihres Vortrages im Rahmen der Annual Lecture des Deutschen Historischen Instituts (DHI) Washington eröffnet Dagmar Herzog die Podcast-Reihe des DHI. Die an der City University of New York lehrende, weithin bekannte Professorin stellt sich dabei keinem einfachen Thema, wenn sie die Entwicklung der Abtreibungsdebatte im Zusammenhang mit behindertem Leben über die Jahrzehnte skizziert. Sie erklärt, warum Behinderten- und Sexualrechte aus ihrer Sicht „Late comers“ im Menschenrechtskatalog der Vereinten Nationen sind. Doch sie geht in ihrer Analyse noch ein Stück weiter, indem sie sie in die heutige Zeit verlängert. Hören Sie rein in ein ethisch hochkomplexes Thema ohne schwarzweiße Denk- und Lösungsansätze.

Download des Interviews ist hier verfügbar (MP3)

Das Interview führte Nora Hilgert.

Dagmar Herzog ist Professorin für Geschichtswissenschaften an der Daniel Rose Fakultät des Graduate Center der City University of New York. Sie arbeitet zu einer ganzen Reihe von Themen wie Religionsgeschichte, den jüdisch-christlichen Beziehungen, über den Holocaust und seine Auswirkungen, als auch zur Gender- und Sexualgeschichte. Dagmar Herzog hielt die 33. Annual Lecture des DHI Washington.

Ihre neusten Bücher sind Lust und Verwundbarkeit: Zur Zeitgeschichte der Sexualität in Europa und den USA (Wallstein, 2018), Unlearning Eugenics: Sexuality, Reproduction, and Disability in Post-Nazi Europe (Wisconsin, 2018), Cold War Freud: Psychoanalysis in an Age of Catastrophes (Cambridge, 2017). Ihre derzeitige Forschung befasst sich mit der Geschichte vor und nach den Euthanasie-Massenmorden an Menschen mit Behinderung in Nazideutschland.