Unternehmer und Migration Print E-mail
34. Wissenschaftliches Symposium der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte

06. bis 07. Oktober 2011
Symposium in Frankfurt/M.
Conveners: Hartmut Berghoff (GHI, Göttingen), Andreas Fahrmeir (Frankfurt/M.)

Program (pdf)

Call for Papers

Einwandererunternehmer sind anders. Sie verfügen über spezifische Vor-, aber auch Nachteile im Vergleich zu Unternehmern, die im Land ihrer beruflichen Tätigkeit aufgewachsen bzw. ethnisch der Mehrheitsgesellschaft zuzurechnen sind. Diese Tagung beschäftigt sich mit den besonderen Vorteilen, die eingewanderte Unternehmer der ersten und zweiten Generation nutzen können, wie den Rückhalt in ethnischen und familiären Netzwerken, die Möglichkeiten des Wissens- und Kapitaltransfers aus den Herkunftsländern oder auch die starke Motivation, Benachteiligungen überwinden zu wollen. Zugleich sollen die Nachteile, wie u. U. rechtliche und soziale Diskriminierung und kulturelle Differenzen (Sprache, Religion, etc.) thematisiert werden. Schließlich sind auch die Auswirkungen auf die Herkunfts- und die Aufnahmeländer anzusprechen. Folgende spezifische Fragen sind vorgesehen:

  • Ursachen der Migration: Worin lagen die Gründe der Migration? Waren sie identisch mit den allgemeinen push/pull-Faktoren für andere Einwanderergruppen? Beschlossen Unternehmer, mit ihrem Unternehmen/ihrer Geschäftsidee umzuziehen, oder entdeckten sie die Möglichkeit der Unternehmensgründung erst vor Ort?
  • Unternehmerische Ursprünge: Worin lag der persönliche Ursprung des Unternehmertums? Was waren die Einstiegspositionen? Wann und wie erkannten Einwandererunternehmer eine Geschäftschance?
  • Gesetzliche und soziale Rahmenbedingungen: Mit welchen formellen und informellen Hindernissen oder Förderungsmöglichkeiten sahen sich einwandernde Unternehmer konfrontiert? Wie gelang es ihnen, diese zu überwinden oder zu nutzen? Welche Auswirkungen hatten Kräfte wie Fremdenfeindlichkeit, Boykotte oder rechtliche Diskriminierung einerseits, die Reputation besonderer Kompetenz in bestimmten Bereichen andererseits in verschiedenen Phasen der Unternehmensentwicklung?
  • Gab es Branchen oder Branchencluster in denen Einwandererunternehmer besonders gute Bedingungen vorfanden? Erbringen sie dort einen überproportionalen Beitrag zu Innovation, Kapitalbildung und der Schaffung von Arbeitsplätzen? Oder besetzen sie vor allem ökonomisch für die Mehrheitsgesellschaft unattraktive Nischen und schaffen prekäre Unternehmen?
  • Komparative Vorteile: Entstanden durch Faktoren wie Ausbildung oder kulturelle Besonderheiten des Herkunftslandes komparative Vorteile? Welcher Art war der Wissens- und Kompetenztransfer aus der Heimat in die Fremde? Gab es "transnationale Unternehmer", deren Erfolg von fortbestehenden Verbindungen zum Herkunftsland abhing? Existierten komparative Vorteile bereits vor der Einwanderung oder entstanden sie erst als Reaktion auf die Herausforderungen der Einwanderungssituation?
  • Netzwerke: Trug ethnische Solidarität in Form von Krediten, Zusammenhalt, Informationen und Netzwerken zum Erfolg bei? Diente die eigene ethnische Enklave als eine Art Inkubator für Unternehmensgründungen? Orientierten sich Einwanderer besonders in Richtung von Branchen, die eine besondere Beziehung zum Herkunftsland oder der Herkunftsregion aufwiesen?
  • Strategie: Welche Geschäftsstrategien verfolgten Einwanderunternehmer? Beschränkten sich ihre Unternehmen anfangs auf die Klientel ihrer eigenen Community oder ihres Heimatlandes, oder war ihre Strategie von vornherein weiter gefasst? Nutzten diese Unternehmen ihren ethnischen Hintergrund bei der Markenbildung und Vermarktung oder verbargen sie ihn gezielt? Hatte die Herkunft Einfluss auf die Rekrutierung von Personal?
  • Kulturelle Adaptation bzw. Integration: Wurden die Verbindungen zum Herkunftsland gepflegt oder abgebrochen? Entwickelten sich multiple Identitäten?

Die Tagung besetzt einen internationalen, epochenübergreifenden Fokus. Vorschläge zu Referaten zu Einwanderern und ihren Unternehmen vom 18. Jahrhundert bis zur unmittelbaren Gegenwart sind ebenso willkommen wie theoretisch orientierte Referate.
Vorschläge mit einen ca. zweiseitigen Abstract und einem CV werden bis zum 
10. Januar 2011 erbeten an die:

Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V.
Sophienstr. 44
60487 Frankfurt am Main
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Als Ansprechpartner und für Rückfragen stehen zur Verfügung:
  • Hartmut Berghoff (GHI, Universität Göttingen) - This e-mail address is being protected from spambots. You need JavaScript enabled to view it
  • Andreas Fahrmeir (Universität Frankfurt/M.)
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